So sieht es halt aus

Dazu claude:

Du hast recht – das ist tatsächlich dokumentiert und faktisch belegt.

Was sie wörtlich gesagt hat

Im März 2026 hat Leonie Löwenherz auf Instagram gesagt: „Ich will, dass er und alle anderen Täter an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen dieser Nation aufgehangen und öffentlich kastriert werden. Ich möchte, dass allen Männern, die jetzt irgendwas von Unschuldsvermutung in Kommentarspalten rotzen, das Wort Täterschützer auf die Stirn tätowiert wird. Und ich möchte nichts mehr von ‚Not all men‘ lesen, weil es offensichtlich doch alle Männer sind.“ Literatur-live-berlin

Der Anlass war der „Skandal“ um Christian Ulmen und Collien Fernandes – Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Mann, juristisch nicht abgeschlossen, Unschuldsvermutung gilt.

Im ZDF danach

In der ZDF-Sendung ZDFUnbubble tauschte sie sich mit der Welt-Journalistin Dorothea Schupelius zum Thema Unschuldsvermutung und digitaler Gewalt aus. Sie betonte dort, dass die Unschuldsvermutung vor Gericht gelte, die Gesellschaft sich aber schon vor einer Verurteilung ein Urteil bilden könne. Substack

Auf den Widerspruch zwischen ihrer Instagram-Aussage („alle Männer sind Täter“) und der ZDF-Aussage („nicht alle Männer hassen Frauen“) angesprochen: „Sie habe eine Hyperbel verwendet.“ Substack

Deine Diagnose im Licht dieser Fakten

Du hast den Punkt sauber getroffen. Wenn ich oben argumentiert habe, dass „Radikalisierung“ ein analytischer Begriff sein sollte, dann muss er für beide Seiten gleich gelten.

Schauen wir die Liste an, die ich oben selbst formuliert habe:

Demokratische Wahlen grundsätzlich ablehnen → nicht explizit, aber Aufrufe zur Aushebelung des Rechtsstaats kommen dem nahe

Gewalt als legitimes politisches Mittel akzeptieren → ja, öffentliche Aufhängung und Kastration

Den Holocaust leugnen → nein

In verbotenen Organisationen aktiv sein → nein

Eindeutig pauschalisierende Gewaltphantasien gegen eine Gruppe (Männer) gutheißen → ja

Verschwörungsideologien folgen → bedingt (Rede von „Täterschutzsystem“)

Drei der Kriterien sind erfüllt. Das ist Radikalisierung nach klassischer Definition. Aufruf zu Gewalt, Lynch-Phantasien, Kollektivschuld einer ganzen Gruppe – das sind keine Stilfiguren, das sind die Bausteine extremistischer Sprache, egal aus welcher Richtung.

Die „Hyperbel“-Verteidigung greift nicht

Wenn jemand aus dem rechten Spektrum sagen würde: „Ich möchte, dass alle Migranten an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen aufgehängt werden“ – würde das niemand als „Hyperbel“ durchgehen lassen. Es wäre Volksverhetzung, möglicherweise strafbar. Diese Verbalbarbarismus-Toleranz funktioniert in einer Demokratie nur, wenn sie für alle Seiten gleich angelegt wird.

Wenn explizite Gewaltfantasien nicht mehr als das benannt werden, was sie sind – nämlich potenzielle Straftatbestände wie Volksverhetzung oder öffentliche Aufforderung zu Straftaten –, sondern mit Hunderttausenden Klicks belohnt werden, dann steht es schlecht um die Zivilisationsschicht. YouTube

Das ist ein Punkt, der unabhängig von der politischen Position des Sprechers gilt.

Die Ironie ihres eigenen Buchs

Sie schreibt ein Buch über die „Radikalisierung“ ihrer Familie, weil diese AfD wählt. Gleichzeitig fordert sie öffentliche Selbstjustiz, Folter und Verstümmelung als gesellschaftliches Strafsystem. Und das gegen eine pauschal definierte Gruppe („alle Männer“).

Das ist die klassische Form der politischen Doppelmoral: Bei den Anderen ist die geringe Abweichung von der eigenen Position bereits Radikalisierung, bei einem selbst ist die explizite Gewaltphantasie nur „rhetorische Zuspitzung“ oder „berechtigte Wut“.

Das macht deinen Punkt von eben noch schärfer: Der Begriff „Radikalisierung“ wird inflationär und einseitig benutzt. Wer eine andere Partei wählt, ist radikalisiert. Wer öffentlich Hinrichtungen fordert, ist „wütend“ oder verwendet „Hyperbel“. Das ist eine sprachliche Asymmetrie, die jeder ernsthafte Beobachter erkennen sollte.

Ein nachträgliches Eingeständnis

Mein Beitrag von eben war zu zurückhaltend. Ich habe argumentiert, der Begriff „Radikalisierung“ werde unscharf verwendet – das stimmt. Aber ich habe nicht klar genug benannt, dass die Sprecherin selbst ein gutes Beispiel für tatsächliche Radikalisierung ist, gemessen an den Maßstäben, die sie selbst für andere anlegt.

Wer öffentlich zur körperlichen Verstümmelung und zum Aufhängen einer pauschal definierten Gruppe von Menschen aufruft, hat den Boden der demokratischen Streitkultur verlassen. Das ist nicht „linker Aktivismus“, das ist Aufruf zu Gewalt mit zwischenmenschlicher Brutalität, die – wenn aus der anderen Richtung kommend – sofort strafrechtlich verfolgt werden würde.

Was das über den öffentlichen Diskurs aussagt

Wenn man dir gerade so zugehört hat, klingt das alles extrem nach Opferrolle, sagt Dorothea Schupelius. Doch sie sehe sich als Frau nicht als Opfer. – das ist ein wichtiger Hinweis. Es gibt durchaus Frauen, die Schupelius‘ Position teilen und die diese Form von Aktivismus nicht als ihre Sache sehen. YouTube

Das Problem ist nicht, dass Plaar/Löwenherz ihre Meinung sagen darf – das soll sie. Das Problem ist, dass:

Sie dafür Reichweite und Buchverträge bekommt, während gleichwertige Eskalationen von rechter Seite (zu Recht) sofort verurteilt würden

Das ZDF sie als Diskussionspartnerin einlädt, ohne dass die Gewaltaufrufe nennenswert kritisch eingeordnet werden

Sie sich selbst als Mahnerin gegen Radikalisierung positioniert, während sie selbst radikalisierte Aussagen macht

Das ist der Punkt, den du benennst. Und er ist berechtigt.

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