Nein, liebe Leser oder Leute

Sie haben kein Recht, daß Sie irgendwo angestellt werden müssen, um dort zu arbeiten. Sie sollten das Recht haben, Ihre Arbeit anbieten zu können, nur so einfach geht das zumindest in D nicht. Selbstständigkeit ohne Meisterbrief? Meinen Sie, sie dürften einfach so die Kirschen im eigenen Garten beliebig verkaufen? Nehmen wir an, Sie sind handwerklich sehr geschickt und können alles so gut wie „Meister ändert es etwa daran, daß Sie alles, was Sie können, auch gesetzlich dürfen?

In Deutschland ist Selbständigkeit im Handwerk ohne Meisterbrief durchaus möglich – es kommt aber stark darauf an, welches Gewerk du ausüben willst. Die Handwerksordnung (HwO) unterscheidet grob drei Kategorien: zulassungspflichtige Handwerke (Meisterpflicht, Anlage A), zulassungsfreie Handwerke (Anlage B1) und handwerksähnliche Gewerbe (Anlage B2).

Für die zulassungsfreien und handwerksähnlichen Berufe brauchst du gar keinen Meister. Für Uhrmacher, Gold- und Silberschmiede, Maßschneider oder Fotografen besteht keine Meisterpflicht. Das Gleiche gilt für handwerksähnliche Berufe wie Bodenleger, Änderungsschneider oder Gerber. Hier reicht in der Regel eine normale Gewerbeanmeldung, wobei du die Tätigkeit trotzdem bei der Handwerkskammer anzeigen musst. SumUp

Bei den aktuell 53 zulassungspflichtigen Handwerksberufen (z. B. viele Bauberufe, Elektro-, SHK-, Kfz-Handwerk, Friseur) ist grundsätzlich ein Meisterbrief nötig – aber auch dafür gibt es mehrere legale Wege ohne eigenen Titel: WISO MeinBüro

Die häufigste ist die Altgesellenregelung / Ausübungsberechtigung nach § 7b HwO. Handwerker können sich ohne Meister selbstständig machen, wenn sie die Gesellenprüfung erfolgreich abgelegt haben und mindestens sechs Jahre Berufserfahrung haben. Mindestens vier Jahre davon müssen sie in leitender Position tätig gewesen sein. Wichtig: Für die Gesundheitshandwerksberufe wie Augenoptiker sowie für Schornsteinfeger besteht diese Möglichkeit nicht. StripeWISO MeinBüro

Ein zweiter Weg ist die Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO. Die kommt z. B. infrage, wenn das Ablegen der Meisterprüfung als nicht zumutbar gilt – etwa weil der Antragsteller schon 47 oder älter ist, weil die Wartefristen zu lang sind oder weil sich die Zulassung nur auf einen bestimmten Teil des Handwerks beschränken soll. Die Kosten dafür liegen zwischen 50 und 1.000 Euro, je nach Aufwand und Handwerkskammer. WISO MeinBüroSander-doll

Drittens kannst du einen angestellten Meister als technischen Betriebsleiter einsetzen – dann darf der Betrieb, auch wenn du selbst keinen Titel hast, ins Handwerksrolle eingetragen werden.

Ein paar Nachteile solltest du kennen: Die Handwerkskammer kann bei Ausnahmebewilligungen den Bereich der Tätigkeiten beschränken, du darfst die Bezeichnung „Meisterbetrieb“ nicht verwenden, und Betriebe ohne Meister dürfen grundsätzlich keine Auszubildenden aufnehmen

Weiter geht es auch so:
Da muss ich kurz nachhaken, was du mit „ohne dass die EU involviert ist“ genau meinst – aber ich gehe erstmal auf beide naheliegenden Lesarten ein, weil beide in dieselbe Richtung führen.

Wenn du meinst „ohne EU-Bürokratie / EU-Vorschriften“: Der Verkauf deiner eigenen, unverarbeiteten Erzeugnisse fällt unter die sogenannte landwirtschaftliche Urproduktion, und die ist rechtlich stark privilegiert. Die Vermarktung selbsterzeugter unverarbeiteter landwirtschaftlicher Produkte wie Eier, Milch, Gemüse oder Honig gilt als Urproduktion und ist kein Gewerbe im Sinne der Gewerbeordnung – du musst also nichts beim Gewerbeamt anmelden. Auch die üblichen Aufbereitungsarbeiten wie Reinigen, Sortieren und Verpacken sowie der Verkauf selbst zählen noch zur Urproduktion. Der reine Verkauf ab Hof, aus der Scheune oder am Straßenrand ist ohne gesonderte Gewerbeanzeige erlaubt, solange es bei einer landwirtschaftlichen, nicht gewerblichen Tätigkeit bleibt.

Dazu kommt eine praktische Erleichterung beim ambulanten Verkauf: Beim Verkauf selbstgewonnener, nicht über die erste Bearbeitungsstufe hinausgehender Erzeugnisse im Reisegewerbe ist weder eine Reisegewerbekarte noch eine Anzeige erforderlich – das gilt für den Verkauf von Haus zu Haus wie auch für Verkaufsstände auf Wochen- oder Bauernmärkten.

Wichtig ist aber die Grenze: Sobald du in die zweite Verarbeitungsstufe gehst (also z. B. aus deinem Obst Marmelade kochst, Wurst herstellst oder Brot backst und das an Endverbraucher verkaufst), wird es gewerblich und anzeigepflichtig, und je nach Tätigkeit kann sogar die Handwerksordnung greifen. Auch beim Zukauf fremder Produkte über etwa 10 % des Umsatzes kippt es ins Gewerbe. Und einen offenen Hofladen mit Ladentheke und festen Öffnungszeiten musst du ebenfalls anmelden.

Jetzt der ehrliche Teil zur EU: Ganz „ohne EU“ geht es nicht, sobald Lebensmittel im Spiel sind. Die EU-Hygienevorschriften gelten grundsätzlich auch für die Primärproduktion. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – für die direkte Abgabe kleiner Mengen eigener Urprodukte an Endverbraucher oder lokale Läden nimmt sich die EU-Verordnung selbst zurück und überlässt die Regelung dem nationalen Recht (in Deutschland vor allem der Lebensmittelhygiene-Verordnung). Genau diese Direktvermarktung im kleinen Rahmen ist also das, was einer „EU-freien“ Vermarktung am nächsten kommt.

Dürften Sie sich an irgendeinen öffentlichen See setzen und angeln? Nein. Dürfen Sie aus einem beliebigen Gewässer Wasser entnehmen? Nein.

Es gibt so gut wie keine Arbeit, wo Sie nicht reguliert, stranguliert und bevormundet werden.

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