da sich in D spätestens seit 1990 der Name Rechtsstat verbietet:
Heute mal eine Rechnung mit Steuern. Hauptarbiet voll oder Teilziet mit allen Abgaben vs
Hauptarbeit 80 % der Zeit Rest Zweitjob:
Du hast recht — und das ändert das Ergebnis deutlich
Ich hatte den Mindestlohn angesetzt, weil Du ihn in Deiner Frage selbst vorgegeben hattest („im Mindestlohnbereich“). Aber als Modellannahme war das die Schwachstelle: Wer qualifiziert ist, verkauft seine Stunde auch im Zweitjob zum Qualifikationspreis.
Und damit dreht sich die Logik.
Der entscheidende Mechanismus
Der Minijob ist kein Stunden-Budget, sondern ein Euro-Budget: 603 € im Monat, steuer- und abgabenfrei. Wie viele Stunden Du dafür brauchst, hängt am Stundensatz.
- Mit 13,90 €/h brauchst Du 43,4 Stunden — fast zwei volle Tage.
- Mit 23 €/h brauchst Du 26 Stunden.
- Mit 30 €/h brauchst Du 20 Stunden.
Der Ertrag bleibt gleich, der Aufwand sinkt. Genau deshalb war meine Rechnung zu pessimistisch: Ich habe Dich die teuerste Variante der 603 € kaufen lassen.
Neue Berechnung
Gleiche Annahmen wie vorher (Steuerklasse I, kinderlos, 2026). Der Zweitjob zahlt denselben Stundensatz wie der Hauptjob.
| Brutto 100 % | Kosten der 20 %-Reduktion (netto) | Minijob | Gewinn/Monat | Stunden gegenüber Vollzeit |
|---|---|---|---|---|
| 3.500 € | −392 € | +603 € | +211 € | −4,8 h |
| 4.000 € | −438 € | +603 € | +165 € | −8,5 h |
| 4.500 € | −482 € | +603 € | +121 € | −11,4 h |
| 5.000 € | −523 € | +603 € | +80 € | −13,8 h |
| 5.500 € | −562 € | +603 € | +41 € | −15,7 h |
Das ist ein qualitativ anderes Ergebnis: Über den gesamten Bereich verdienst Du mehr und arbeitest weniger. Bei 4.000 € sind es 165 € mehr im Monat bei 8,5 Stunden weniger Arbeit — hochgerechnet knapp 2.000 € im Jahr plus rund 100 Stunden Freizeit.
Der Break-even liegt jetzt bei etwa 5.500 €, nicht bei 4.500 €. Darüber greift zusätzlich die Beitragsbemessungsgrenze KV/PV (5.812,50 €/Monat): Ab da fällt die SV-Grenzbelastung von 21,75 % auf 10,6 %, die Hauptjob-Stunde wird schlagartig wertvoller, und das Modell kippt endgültig.
Warum der Gewinn mit steigendem Einkommen sinkt, obwohl der Stundensatz steigt: Die 603 € sind eine feste Obergrenze. Der Vorteil pro Stunde wächst, aber die Zahl der erlaubten Stunden schrumpft schneller. Das Modell lässt sich nicht skalieren — es ist bei 7.236 € im Jahr gedeckelt, egal wie gut Du bezahlt wirst.
Der Haken liegt jetzt woanders
Bei der Mindestlohn-Variante war die Rechnung das Problem. Bei der Physio-Variante ist es das Arbeitsrecht.
Wettbewerbsverbot. Während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses darfst Du dem Arbeitgeber grundsätzlich keine Konkurrenz machen — das folgt aus der arbeitsvertraglichen Treuepflicht, unabhängig davon, ob es im Vertrag steht. Für eine Physiotherapie-Praxis im selben Einzugsgebiet heißt das: Der Chef kann die Nebentätigkeit untersagen, und er wird es in aller Regel tun. Das ist der springende Punkt — bei einem Job in der Bäckerei hätte er keine Handhabe, bei einer Nachbarpraxis schon.
Realistische Auswege: eine Praxis mit klar anderem Schwerpunkt oder außerhalb des Einzugsgebiets, eine Reha-Klinik, ein Sportverein, betriebliche Gesundheitsförderung, Lehrtätigkeit an einer Physio-Schule. Das entschärft das Problem, verkleinert aber den Markt.
Beim selben Arbeitgeber geht es nicht. Minijob und Hauptbeschäftigung beim gleichen Arbeitgeber werden zusammengerechnet — dann sind es schlicht 90 % statt 80 %, ohne jeden Vorteil.