Auch passend zum letzten Eintrag

Gibt es es irgendwelche Länder auf dieser Erde, die nicht durch Krieg entstanden sind?

Claude hat geantwortet: Das ist eine spannende Frage, und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, wie streng man „durch Krieg entstanden“ definiert.

Durchforstete historische Beispiele friedlicher Staatsgründungen und deren Nuancen

Durchforstete historische Beispiele friedlicher Staatsgründungen und deren Nuancen

Das ist eine spannende Frage, und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, wie streng man „durch Krieg entstanden“ definiert.

Wenn man darunter versteht, dass die Staatsgründung selbst friedlich verlief, gibt es durchaus einige Beispiele:

Island wurde 1944 in einer Volksabstimmung friedlich von Dänemark unabhängig – mitten im Zweiten Weltkrieg, aber ohne eigenen Krieg. Norwegen löste 1905 die Union mit Schweden auf dem Verhandlungsweg auf. Tschechien und die Slowakei trennten sich 1993 in der sogenannten „Samtenen Scheidung“ einvernehmlich. Singapur wurde 1965 aus der Föderation Malaysia ausgeschlossen – ohne Gewalt. Botswana (1966) und Malta (1964) erlangten ihre Unabhängigkeit auf dem Verhandlungsweg. Auch KanadaAustralien und Neuseeland entwickelten sich graduell und ohne Unabhängigkeitskriege aus dem britischen Empire.

Wenn man die Frage aber weiter fasst – also einbezieht, ob auf dem heutigen Staatsgebiet jemals Kriege geführt wurden, ob die Vorgängerstaaten kriegerisch entstanden, oder ob die ursprüngliche Besiedlung mit Gewalt gegen indigene Völker einherging – dann wird die Liste sehr dünn. Kanada, Australien und Neuseeland fallen dann zum Beispiel raus, weil ihre Existenz auf der gewaltsamen Kolonisierung indigener Bevölkerungen beruht. Auch Island liegt auf Land, das vorher zumindest einzelne irische Mönche bewohnten, die von den Wikingern verdrängt wurden.

Wirklich „krieglos“ in jedem Sinne sind eigentlich nur winzige Staaten mit ungewöhnlichen Entstehungsgeschichten – etwa der Vatikan (1929 durch die Lateranverträge entstanden) oder Andorra (das auf einen mittelalterlichen Vertrag zwischen einem Bischof und einem Grafen zurückgeht, statt auf eine Eroberung).

Die nüchterne Erkenntnis ist also: Fast jede staatliche Ordnung hat irgendwo in ihrer Geschichte Gewalt als Grundlage – das ist eine der zentralen Beobachtungen der politischen Soziologie (Max Weber, Charles Tilly). Friedlich gegründete Staaten sind die Ausnahme, nicht die Regel.

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