Politikeraussage vs Realität

Aussage:

Realität (nach claude)

Sehr guter Vergleichspunkt – hier die Größenordnungen nebeneinandergestellt:

Installierte Erzeugungsleistung (Stand Ende 2025)

QuelleInstallierte Leistung
Solar (PV)117 Gigawatt Bundesnetzagentur
Wind onshore68,1 Gigawatt Bundesnetzagentur
Wind offshore9,5 GW Ecoreporter
Summe Wind + Solar≈ 195 GW
Erneuerbare gesamt (inkl. Biomasse, Wasser)knapp 210 Gigawatt Bundesnetzagentur

Zum Vergleich: Die deutsche Netzhöchstlast liegt bei rund 80 GW.

Nord-Süd-Übertragungskapazität (HGÜ, geplant/im Bau)

KorridorÜbertragungsleistung
A-Nord2 GW
Ultranet2 GW
SuedLink4 GW
SuedOstLink (mit Ausbaustufe)2–4 GW
Summe HGÜ Nord-Süd≈ 10–12 GW

Dazu kommen die bestehenden 380-kV-Drehstromkorridore, die summiert nochmal grob 15–25 GW Nord-Süd-Transit ermöglichen – allerdings nicht „on top“, weil sie bei hoher Einspeisung im Norden heute schon an die Belastungsgrenze geraten (was zu Redispatch-Kosten von mehreren Milliarden Euro pro Jahr führt).

Das eigentliche Missverhältnis

Die theoretische Maximalleistung der norddeutschen Erneuerbaren liegt bei rund 45 GW (Wind Niedersachsen 13,4 + Schleswig-Holstein 9,2 + Brandenburg 9,2 + MV ca. 4 + Offshore 9,5), die historisch real erreichte Wind-onshore-Spitze 2025 lag bei 46,1 GW am 26.10.2025 – fast bundesweit, aber stark im Norden konzentriert. Energy-Charts

Der Süden (Bayern + BW) verbraucht in Spitzen rund 25–30 GW. Bei „Hellbrise“ (viel Wind im Norden, wenig Erzeugung im Süden) müsste also theoretisch ein Vielfaches der heute geplanten HGÜ-Kapazität nach Süden fließen.

Konkret in Zahlen

  • Erzeugungs-Spitze Wind-Nord allein: ~45 GW theoretisch
  • Geplante HGÜ-Stromautobahnen: 10–12 GW
  • Verhältnis: Die Stromautobahnen können also maximal etwa ein Viertel der theoretischen Wind-Spitzenleistung des Nordens absorbieren

Bei PV ist die räumliche Verteilung gleichmäßiger (Bayern führt mit 4,5 GW Zubau 2025 sogar das Bundesland-Ranking an), daher entlastet Solar das Nord-Süd-Problem teilweise – mittags im Sommer, wenn 60+ GW PV einspeisen, fließt Strom eher von Süd nach Nord.

Konsequenzen aus dem Missverhältnis

Negative Strompreise: Bei extremer Erzeugung und ungenügendem Abtransport kippen die Börsenpreise ins Negative.

Abregelung (Curtailment): Norddeutsche Windparks werden regelmäßig „abgeregelt“, weil der Strom nicht abtransportiert werden kann. Entschädigungen dafür kosten jährlich rund 1–2 Mrd. Euro.

Redispatch: Süddeutsche Gaskraftwerke werden hochgefahren, während Wind im Norden gedrosselt wird – ineffizient, teuer, klimaschädlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert