und/oder vertiefenden Betrachtung. Es geht um „Klimakrise“. Ich versuche über die Zeit belegbare Daten zu sammeln und hier zu präsentieren:
Lassen wir das claude zusammenfassen:
Erstens, das „Wetter“. Das ist der wichtigste Punkt. Klimaschutz zielt nicht aufs Wetter und nicht einmal auf die kurzfristige Temperatur, sondern auf die Vermeidung künftiger Erwärmung. Das Wetter des nächsten Jahres oder Jahrzehnts lässt sich damit grundsätzlich nicht messbar verändern — wer das als Maßstab nimmt, misst an etwas, das nie das Ziel war. Der „Ertrag“ liegt definitionsgemäß in der Zukunft und ist ein Kontrafaktum: vermiedene Schäden in einer Welt, die es nicht gibt. Das macht jede Erfolgsbilanz schwer und für beide Seiten rhetorisch ausbeutbar.
Zweitens, die Kosten. „Billionen“ ist nicht aus der Luft gegriffen, hängt aber stark davon ab, was man mitzählt. Die reinen EEG-Subventionen summieren sich bis 2021 auf rund 275 Milliarden Euro; rechnet man Netzausbau, Energie- und Klimafonds, Systemkosten usw. hinzu, kommt eine Aufstellung auf etwa 478 Milliarden Euro bis 2021 — und das ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Nach vorn wird es dann tatsächlich „Billionen“: Eine Prognos-Studie im Auftrag der KfW beziffert die Mehrkosten 2020–2045 auf rund 4.967 Milliarden Euro, also knapp fünf Billionen. Diese Zahlen sind allerdings umstritten — was überhaupt als „Energiewende-Kosten“ zählt, ist selbst Teil des Streits. Tech for Future + 2
Drittens, was messbar herauskam. Deutschlands Emissionen sanken von 1.252 Mio. t CO₂-Äquivalent (1990) auf 649 Mio. t (2024) — gut 48 %. Das ist real. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Ein erheblicher Teil des frühen Rückgangs war kein Klimaschutz, sondern die Deindustrialisierung Ostdeutschlands nach 1990 — in den alten Ländern stiegen die Emissionen Anfang der 1990er sogar noch. Und Deutschland steht für nur knapp 2 % der globalen Emissionen. UmweltbundesamtVolker-quaschning
Und hier schließt sich der Kreis zu Deiner Grafik: Global ist die CO₂-Kurve genau in diesem Zeitraum weiter steil gestiegen — von etwa 354 ppm (1990) auf rund 427 ppm heute. Die deutschen Einsparungen sind in dieser globalen Linie nicht zu erkennen, weil China, Indien und andere mehr zugelegt haben, als Europa eingespart hat. Der direkt zurechenbare Effekt der deutschen Anstrengung auf die globale Temperatur liegt deshalb in einer Größenordnung von wenigen Hundertstel Grad bis 2100 — und in der heutigen Temperaturreihe ist er schlicht nicht nachweisbar. Das ist die nüchterne Antwort auf „was hat es fürs Wetter gebracht“: direkt messbar nichts.
Jetzt der faire Teil — wie beide Lager das bewerten, denn das ist eine Wert-, keine reine Sachfrage:
Die kritische Lesart: Enorme Summen, ein verschwindender Anteil an den Weltemissionen, eine global weiter steigende Kurve — also ein schlechtes Verhältnis von Aufwand zu klimatischem Ertrag. Ökonomen wie Bjørn Lomborg argumentieren in diese Richtung: dasselbe Geld hätte in Anpassung, Forschung oder Entwicklungsländern pro vermiedenem Schaden mehr gebracht. Dazu kommen vermeidbare Eigentore wie der parallele Atomausstieg, der zeitweise Kohlestrom verlängerte.
Die verteidigende Lesart: Den Beitrag eines Landes an der Welttemperatur zu messen, sei ein Kategorienfehler — Klimaschutz ist ein Kollektivgut mit Trittbrettfahrer-Problem; niemand bewegt das Thermometer allein, das war nie der Anspruch. Vor allem aber habe ein großer Teil des Geldes die Technologiekosten weltweit gesenkt: Solarstrom und Batterien sind seit ~2010 um rund 90 % billiger geworden, auch weil frühe (gerade deutsche) Förderung die Massenproduktion erst angeschoben hat. Dieser Lerneffekt wirkt global und dauerhaft — ein Ertrag, der in keiner deutschen Temperaturstatistik auftaucht, aber Indien und Afrika günstigeren sauberen Strom verschafft.
Auch weiter claude:
Wo Du recht hast, und zwar ohne Wenn und Aber: Gemessen am eigentlichen Ziel — den Anstieg der CO₂-Konzentration zu bremsen oder zu stoppen — ist die Bilanz global ein Fehlschlag. Die Konzentration ist seit 1990 von rund 354 auf 427 ppm gestiegen, ununterbrochen, und die jährliche Zuwachsrate ist nicht gefallen, sondern eher gestiegen — die letzten Jahre brachten einige der größten Jahressprünge der Messgeschichte. Es gibt in der Mauna-Loa-Kurve keinen Knick, keine Delle, keinen Wendepunkt. Wer „Erfolg“ daran misst, ob die Kurve langsamer steigt oder kippt, findet ihn nicht — weder durch Deutschland noch durch die EU oder die USA. Das ist Fakt und kein Beschönigen wert.
Wo der Satz „kein einziges ppm“ aber nicht stimmt — und das ist eine reine Rechensache, keine Meinung: „Ein ppm verändern“ kann zweierlei heißen. Wenn es heißt „die gemessene Kurve nach unten gebogen“ — dann hast Du recht, das ist nicht passiert. Wenn es heißt „Emissionen vermieden, die sonst oben draufgekommen wären“ — dann ist es nachweislich falsch. Ein ppm CO₂ entspricht etwa 8 Milliarden Tonnen in der Luft, also grob 15–18 Mrd. Tonnen vermiedener Emissionen (weil rund die Hälfte vom Ozean/Land geschluckt wird). Allein Deutschland hat seine Emissionen von 1.252 auf 649 Mt/Jahr gesenkt; gegenüber einem eingefrorenen 1990-Niveau summiert sich das über 34 Jahre auf rund 10 Mrd. Tonnen — also größenordnungsmäßig ein halbes ppm allein durch Deutschland. Weltweit, mit dem Ausbau von Wind und Solar, ist es ein Vielfaches davon, mehrere ppm.